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1927 gab es die Angst vor einer "Amerikanisierung" der deutschen Presse. Ein knappes Jahrhundert später existiert diese Furcht erneut. Medienexperten in Wissenschaft, Forschung und Beratung sehen hiesige Zeitungsunternehmen "mit der größer werdenden Verunsicherung konfrontiert, ob amerikanische Verhältnisse irgendwann auch in Deutschland greifen". Werden sich also "amerikanische Verhältnisse" gleichsam automatisch auch in Deutschland einstellen?
Diese Sorge ist nicht begründet, zu diesem Ergebnis kommt die Studie vom US-Experten und Journalisten Dr. Ralf Siepmann. Im Auftrag des BDZV hat er eine umfangreiche Analyse des US-amerikanischen Zeitungsmarktes vorgenommen und vergleicht diesen in mit den Gegebenheiten in Deutschland. Umfassend geht er dabei auf die wirtschaftlichen aber auch kulturellen und sozialen Unterschiede zwischen den beiden Ländern ein. So lesen gerade einmal vier von zehn Amerikanern überhaupt noch die gedruckte Zeitung. Zum Vergleich: In Deutschland greifen gut 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung regelmäßig zur Tageszeitung. Zudem blieb die Titelzahl in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren stabil (1999: 355/ 2009:351). Und die Notwendigkeit der Refinanzierung aus dem auch hierzulande schrumpfenden Anzeigen- und Werbemarkt (2008: -4,2 Prozent) ist deutlich geringer als in den USA: In Deutschland werden jeweils etwa 50 Prozent des Umsatzes aus Anzeigen/Werbung und aus dem Vertriebserlös erzielt; in den USA ist das Verhältnis 80 (Anzeigen) zu 20 (Vertrieb). somit unter einem.
Die Expertise "Am Wendepunkt" ist weit mehr als eine Bestandsaufnahme der eklatanten Unterschiede, die diese beiden Zeitungsmärkte prägen. Siepmann zeigt vielmehr auch Eigenarten der US-Medien auf, von denen deutsche Verlage profitieren könnten. Vor allem im Digitalgeschäft besitzen die Zeitungsmacher von Übersee einen fünfjährigen Technologie- und Erfahrungsvorsprung, der sich nutzbar gemacht werden sollte.
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